Visualisierung von Spuren im Web führen zu "gläsernem" User
06.09.2007
Microsoft-Experte Smith: "Wir definieren uns über unsere Präsentation im Netz" - "Triple-I bis Freitag in Graz Graz (APA) - Benutzer hinterlassen im Web Spuren wie Füße im Sand, erklärte Marc Smith, Senior Research Sociologist bei Microsoft Research in Redmond (USA) am Donnerstag in Graz. Diese Spuren können gesammelt, verarbeitet und visualisiert werden. Smith hielt einen Vortrag im Rahmen von "Triple-I", dem "Innovationskongress" für Wissensmanagement, Neue Medientechnologien und Semantische Systeme.
Über bestimmte Software kann dokumentiert werden, welcher User mit anderen Nutzern vernetzt ist - und das über die offensichtlichen Kontakte hinaus. So könne man beim Mail nicht nur nach z.B. Datum sortieren, sondern etwa danach, mit wem der Benutzer in der vergangenen Zeit wenig Kontakt hatte. Kontakträume wie "Facebook" oder "MySpace" seien Beispiele, bei denen Benutzer ihre Selbstpräsentation explizit bestimmen, indem sie sich z.B. als "Freund" von bestimmten anderen Usern "outen".
Der User hinterlässt durch seine Aktivität aber auch Spuren, die für ihn nicht unbedingt erkennbar sind. Diese können erfasst und analysiert werden, z.B. ob jemand ein neues Thread initiiert oder nur auf bestehende Postings antwortet oder wie regelmäßig er in virtuellen Räumen Nachrichten hinterlässt.
Aus diesen Daten lassen sich auch Rollen aufzeigen, die die User in Online-Communities einnehmen. So lässt sich aus der Vernetzungsstruktur von Postings oder Mails herauslesen, ob jemand zu den Frage-Stellern, Antwortgebern, Meinungsführern, Diskutanten oder Spammern gehört. Online-Kollektive brauchen eine Mischung verschiedener Teilnehmer-Typen, um zu funktionieren. "Wer du bist, widerspiegelt sich in dem, was du ins Netz stellst", meinte Smith.
Eine Software, um diese Beziehungen zu visualisieren, ist "TreeMap", die als Plugin im Outlook oder Excel verwendet wird. Diese stellt virtuelle Räumlichkeiten wie Foren oder Newsgroups als hierarchisch verschachtelte Rechtecke dar, deren Größe und Farbe Teilnehmerzahl und Aktivitätsniveau wiedergeben.
Auch mobile Geräte verändern die Community-Szene. Sie hinterlassen zusätzliche Spuren, die von passiven Sensoren aufgenommen werden und sich ihrerseits wieder als Information weitergeben, durchsuchen und verdichten lassen. So etwa könnten via Handy Informationen über Produkte mittels Barcode abgerufen werden. Ein Schweizer Unternehmen habe ein Gerät entwickelt, das z.B. bei Veranstaltungen Menschen über gemeinsame Hobbys zusammenführt.
Zum Thema Schutz der Privatsphäre meinte Smith anschließend im APA-Gespräch, die Situation sei "einfach da", man müsse lernen, damit umzugehen. So habe der zukünftige Präsident von Amerika bereits jetzt Webpages - "wie wird das aussehen, wenn der oder diejenige in zwanzig Jahren Präsident wird und man per Google diese alten Homepages findet", gab Smith zu bedenken. Diese Informationen würden bestehenbleiben.
Der Kongress mit insgesamt über 100 wissenschaftlichen Vorträgen und 40 Referaten aus der Wirtschaft sowie einem "Speed-Dating" für Unternehmen und Forscher und einer begleitenden Ausstellung dauert noch bis morgen, Freitag.
(S E R V I C E: Weitere Infos zum Kongress sind unter http://www.triple-i.info/ abrufbar.)







