Das Netz versteht mich
01.08.2007
Wenn Unternehmen nicht heute beginnen, Strategien für den effizienten Umgang mit der Ressource Wissen zu entwickeln, können sie morgen nicht wettbewerbsfähig bleiben. Web 2.0 und Semantic Web sind - mehr als nur neue Schlagwörter - Vision, Konzept und Programm für die nächste Generation des Internets, den Umgang mit Information und nicht zuletzt den Usern.
von Marion Fugléwicz-Bren
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Herr Maier ist Projektmanager in einem multinationalen Konzern. Er arbeitet zusammen mit zwei weiteren Großkonzernen, fünfzehn kleineren Firmen und einem breiten Netzwerk selbständiger Spezialisten an einem bahnbrechenden Rettet-das-Weltklima-Projekt: Es geht um eine Technologie zur Reduktion von Treibhausgasen. Eine politische Gipfelkonferenz hat soeben die gesamten Rahmenbedingungen des Projekts gehörig ins Wanken gebracht. Und in der real time economy erwarten seine Projektpartner, Investoren und nicht zuletzt sein Chef schnelle und sichere Antworten. Das erfordert nicht nur umfangreiche Recherchen, sondern darüber hinaus auch noch enge virtuelle Zusammenarbeit über mehrere Zeitzonen und Fachdisziplinen hinweg.
Genau hier setzt das neue Nachfolge-Konzept für das Internet an, das seit einiger Zeit durch die Medien geistert: Semantic Web. Semantik ist die Lehre von der Bedeutung sprachlicher Zeichen. Und das Semantic Web wird von seinem Hauptprotagonisten, dem WWW-Erfinder Tim Berners-Lee, als weltumspannendes Datennetz dargestellt. Mit seiner Hilfe sollen Computer lernen, ihren Anwendern die Suche zu erleichtern – etwa indem die Maschinen Inhalte von Webseiten „verstehen“, um sie abzugleichen und automatisiert Schlüsse zu ziehen.
Science Fiction? Ganz und gar nicht.
Unser Herr Maier braucht nun für sein Projekt eine Menge an Information – seine Entscheidungen sind bindend. Von seiner Expertise hängt der Projekterfolg ab. Wo kann er nun relevante Informationen für sein Projekt finden? Wie verlässlich sind diese Informationen? Im Unternehmenskontext ist jede Information kritisch. Welcher Experte weiß was - und wo in der realen oder virtuellen Welt sitzt er? Ist Herr Maier am letzten Stand der Entwicklung? Wo gibt es vergleichbare Projekte? Wer arbeitet zum selben Thema? Die Fragestellungen sind komplex, die Zeit ist knapp.
Aufgrund eines Wiki-Eintrags (Systeme, in denen Kollegen ihr Fachwissen weitergeben, Anm. d. Red.) erfährt Herr Maier von einer sehr wichtigen Entscheidung. Durch den Hinweis auf das Weblog eines Kollegen werden Details dazu ausgeführt. Ein Blick in die Yellow Pages gibt Aufschluss über die Adresse eines anderen Kollegen, spannende Neuigkeiten inhaltlicher Natur erfährt Herr Maier noch durch Social Bookmarks (Internet-Lesezeichen, die in einem Netz - Internet oder Intranet - mit Hilfe einer Browser-Oberfläche von verschiedenen Benutzern durch gemeinschaftliches Indizieren erschlossen und mittels eines RSS-Feeds bereitgestellt werden). All das dauert nicht länger als eine halbe Stunde.
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